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Genuss

Määäh! Dagmar weiß, wie sie ihre Schäfchen eintreibt

11.10.2013

Ob das nun Fitness ist oder nicht: Immer wenn der Sommer sich dem Ende neigt, hilft Reiseautorin Dagmar Gehm seit vielen Jahren als Hirtin im Ötztal und begleitet die Tiere auf dem spektakulärsten Schafübertrieb der Welt – ein anstrengendes Vergnügen in einer der schönsten Urlaubsregionen Österreichs

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Kein Schweigen der Lämmer: Reisereporterin Dagmar Gehm aus Hamburg im ungewöhnlichen Höheneinsatz

Null Bock hat der Bock. Nicht einen Zentimeter weiter mag er gehen. Und mit ihm die ganze Herde. Ich versuche, ihn anzuschieben und stemme mit aller Kraft. Doch der prächtige Leithammel zeigt mir deutlich, wer hier das Sagen hat: er. Also packe ich den Widerspenstigen an den gebogenen Hörnern und zerre ihn in die gewünschte Richtung. Bis er sich in Bewegung setzt. Beobachtet von feixenden Hirten mit Ferngläsern. Warum mache ich das alles? Ich liebe Tiere, und ich liebe die Herausforderung.

Die Schafsroute – ein Kulturerbe

Schon im Herbst sind die Almen bei Vent im Ötztal weiß – wollweiß von tausenden von Schafen. Rund 2000 Schafe werden Mitte September nahe der Martin-Busch-Hütte auf 2.501 Metern zusammengetrieben. In endloser Reihe überwinden sie den Alpenhauptkamm, grenzübergreifend vom Ötztal ins Schnalstal, von Tirol nach Südtirol, von Österreich nach Italien. 515 Höhenmeter müssen sie über den Similaungletscher bis zur Passhöhe des Niederjochs auf 3.019 Meter marschieren und danach 1.300 Höhenmeter wieder hinunter bis nach Vernagt am See. 2011 wurde dieser Schafübertrieb sogar in das UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen.

Ein Vertrag aus dem Jahr 1415 sichert den Südtiroler Bauern die seit Jahrtausenden überlieferten Weiderechte in Tirol. Den ganzen Sommer verbringen die Schafe auf den saftigen Hochalmen, die so viel saftiger sind als im Tal. Im Herbst kehren sie wieder zurück in ihren heimatlichen Stall.

Autorin Dagmar Gehm mit Hirten und Schafen in Südtirol

Kein Job für Weicheier: 2000 Schafe von den Bergen im Ötztal zurückholen, einem der schönsten Wandergebiete Österreichs – Fotos (2): Gehm

Stockdunkel und steil

Schon Tage vor dem Übertrieb starten wir jeden Morgen um fünf Uhr mit Stock und Stirnlampe in verschneite Almregionen – Schafe suchen. Noch ist es stockdunkel, noch sehe ich nicht, wie steil die Hänge abfallen. Weit schreiten die Männer aus, und weit lassen sie mich bald hinter sich. Irgendwann gibt es keinen Pfad mehr, nur noch Einsamkeit. Außer mir scheint bloß noch ein kreuzlahmes Lamm zu spüren, dass es bergab leichter geht als bergauf. Plötzlich springt es putzmunter die Böschung hinunter zum reißenden Wildbach. Ich blende meine Höhenangst aus, bis es mir gelingt das Lämmchen endlich einzufangen.

Mit Lämmern über den Similaungletscher

Ich salze Lecksteine, helfe beim Gipsen gebrochener Läufe und beim Markieren neugeborener Lämmer. Lasse mich von Wanderern fotografieren, die mich in meiner bestickten blauen Schürze, mit Filzhut und Hirtenstab für eine typisch Südtiroler Schäferin halten. Nur sagen darf ich kein Wort, um meine wahre Herkunft nicht zu verraten. Das ist für mich die schwerste Prüfung!

Samstag, sechs Uhr morgens. Der lange Tross aus Treibern, Schafen und Mitläufern setzt sich in Bewegung. Von uns, den Streckenposten, durch Bachfurten geleitet, von Hirtenhunden aus den Felshängen gebellt. Über den eisigen Similaungletscher und dann wie Perlen an der Schnur auf gefährlich schmalen Serpentinen wieder bergab.

Nach der glücklichen Ankunft von Tier und Mensch in Vernagt wird bei einem zünftigen Wiesenfest kräftig gefeiert. Mitten zwischen Schäfern, Schafen und Schellengeläut. Das ist für mich mindestens so schön wie Urlaub – näher an die Natur kommt man nicht ran!

  1. Dienstag, 07. Januar 2014 um 12:48 Uhr Jessica sagt: Antworten
    Seit Freitag bin ich mit meiner Familie hier in Südtirol. Kleine Wanderungen haben wir auch schon gemacht, sind aber öfters mit dem Schlitten auf Schneepisten unterwegs. Die Sonne scheint, das Essen ist super lecker und die Bewohner sind wirklich sehr nett. Wir genießen unseren Urlaub sehr ! Wirklich eine wschöne Region.

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